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Tickernatives (XX):

Contis, Capital, Clipway and more

In dieser Rubrik fasst ALTERNATIVESINDUSTRIES (un-)regelmäßig nur einige kurze Meldungen, namentlich auch von der Produktseite, aus dem schieren Ozean der Private Markets mit einem groben Deutschland- und Europa-Filter tickerartig zusammen und ordnet sie ein. Diesmal von der Schweiz und Europa über UK nach Kanada: First Timer mit Rekord-Fundraising bei Secondaries, europäischer Infra billionenschwer, neuen Präferenzen in den Allocations Institutioneller. Und Neues in Sachen Exit: Ist das schon Inzucht?

Clipway (21. Juli): „Clipway closes largest-ever debut secondaries platform at $6.4 billion”

Gerade in Zeiten, in denen das Fundraising kein Selbstläufer mehr ist, stehen First Timer normalerweise nicht im Zentrum des Interesses der LPs. Und während das Mittelaufkommen auch im Secondaries-Markt zuletzt von großen, etablierten Anbietern geprägt war, sorgt Clipway für eine Überraschung. Das erst 2024 von ehemaligen Ardian-Managern in London gegründete Secondaries-Haus schloss seinen Debütfonds Clipway Secondary Fund I (CSF I) bei 6,4 Mrd. USD. Nach Angaben von Clipway und PitchBook handelt es sich um den größten First Time Fund in der Geschichte des Secondaries-Marktes.

Der Fonds schloss rund 60% über seinem ursprünglichen Fundraising-Ziel und gewann 186 LPs. Knapp die Hälfte des Kapitals stammt aus Europa. Clipway konzentriert sich auf LP-led-Secondaries in Nordamerika und Westeuropa und nutzt einen technologiegestützten Investmentprozess.

Das Rekord-Debüt widerspricht der These eines ausschließlich von etablierten Großmanagern dominierten Fundraising-Marktes allerdings nur auf den ersten Blick. Vielmehr zeigt der Fall Clipway, dass institutionelles Kapital auch neuen Plattformen zufließt – sofern hinter ihnen ein erfahrenes Team mit überzeugendem Track Record und klar differenzierter Investmentstrategie steht. Es gilt offenbar grundsätzlich weiter: „Scale draws Capital“:

Quelle: PitchBook; Region: global; 31. März 2026. Grafik zur Volldarstellung anklicken.

Preqin (13. Juli) „The big Picture: unlisted Infrastructure in Europe could top $1tn AUM by 2030, powered by the Energy Transition.”

Europas Markt für nicht börsennotierte Infrastruktur gewinnt weiter an Bedeutung. Während Nordamerika das Segment bislang dominiert, könnte Europa laut Preqin bis 2030 auf 1,2 Bio. USD AuM wachsen und damit deutlich aufholen. Treiber: v.a. Energiewende, Digitalisierung, Investitionen in Europas Wettbewerbsfähigkeit. Rückenwind: durch europäischen Dekarbonisierungsvorgaben und resultierenden Investitionsbedarf. Größte Chancen: bei Erneuerbaren, Stromnetzen, Batteriespeichern und Flexibilitätslösungen sowie der Elektrifizierung von Industrie und Verkehr, so Preqin.

Bestätigen sich die Erkenntnisse der Studie, dann dürfte Europas Infrastrukturmarkt in den kommenden Jahren zu den wachstumsstärksten Segmenten der Private Markets zählen.

Partners Group (20. Juli): “Partners Group closes fourth Direct Infrastructure Program at over USD 15 Billion.”

Nochmal Fundraising, nochmal Infra: Während das Raising wie erwähnt in vielen Bereichen der Private Markets selektiver geworden ist, zählt Infrastruktur weiter zu den größten Gewinnern institutioneller Kapitalströme. Beispiel: Partners Group – bekanntlich frisch etwas Redemption-gebeutelt in ihrem PE-Geschäft – schloss ihr viertes Direct Infrastructure Programm mit mehr als 15 Mrd. USD und übertraf damit das Vorgängerprogramm um mehr als 50%.

Das Programm war beim Closing bereits zu über 40% deployed und fokussiert sich auf Energie-, Versorgungs- und digitale Infrastruktur.

Als Beleg für den bisherigen Track Record verweisen die Schweizer auf die bislang 21 realisierten Exits ihrer Direct Infrastructure-Strategie. Nach Unternehmensangaben erzielten diese einen nTVPI (Net Total Value to Paid-In) von 2,2x sowie eine nIRR (Net Internal Rate of Return) von 20,8%.

Der Fondsabschluss legt nahe, dass sich im Infrastruktursegment Größe und Track Record zunehmend zu entscheidenden Wettbewerbsvorteilen entwickeln. Während viele Manager ein anspruchsvolles Fundraising-Umfeld beklagen, gelingt es etablierten Plattformen offenbar weiterhin, sehr große Kapitalzusagen einzuwerben.

Preqin (15. Juli): The Insider: Continuation Funds move beyond cyclical Demand toward Structural Growth.”

Wie bereits mehrfach auf ALTERNATIVES INDUSTRIES diskutiert, schaffen sich die Private Markets zunehmend ihren eigenen internen Kapitalmarkt. Wesentlicher Treiber bleibt das schwierige Exit-Umfeld – Continuation Funds entwickeln sich dabei zu einem immer wichtigeren Instrument für die GPs, sich hier Luft zu verschaffen. Zuweilen gibt es sie schon im Quadrat, und mittlerweile bemühen auch schon erste Secondaries-GPs das Vehikel (Tertiaries, Quaternaries).

Neue Daten von Preqin bestätigen den Trend: 2025 wurden weltweit 123 Contis mit einem Volumen von 75 Mrd. USD aufgelegt (2018: 13 Fonds mit 9 Mrd. USD). Ihr Anteil am globalen Direct Private Equity Fundraising stieg im selben Zeitraum von 1,2 auf 12,4%. Jeder achte neu eingeworbene PE-Dollar entfällt derzeit auf Continuation Funds, so Preqin.

Jedoch reicht das schwierige Exit-Umfeld als Erklärung allein möglicherweise nicht mehr. Preqin verweist auf eine Einschätzung von Lynn Baranski, Managing Director, Global Co-Head und CIO von BlackRock PE-Partners: Auch LPs betrachteten Contis nicht mehr nur als Reaktion auf den schwierigen Exit-Markt, sondern zunehmend als Bestandteil der Portfoliokonstruktion und Liquiditätsstrategie. Die Vehikel seien „kein temporäres Instrument mehr, sondern ein zunehmend akzeptierter Bestandteil der Private Markets“.

Ob sich dieser Trend als dauerhaft erweist, dürfte sich allerdings erst in einem wieder normalisierten Exit-Umfeld zeigen.

PitchBook (16. Juli): „UK Eyes Record Year for PE Exits – but Sponsors are mostly selling to each other.”

Nochmal Thema „sich Luft bei den Exits verschaffen”: Der Trend zum internen Kapitalmarkt der Private Markets bestätigt sich zunehmend auch im britischen Exit-Markt. Neue Daten von PitchBook sprechen dafür, dass Liquidität derzeit v.a. innerhalb der Asset-Klasse selbst entsteht, und zwar nicht nur via Secondaries, sondern direkt: Finanzinvestoren verkaufen zunehmend an andere Finanzinvestoren, während IPOs weiterhin kaum eine Rolle spielen.

In den ersten vier Monaten 2026 erreichte das britische PE-Exit-Volumen 20,9 Mrd. GBP bei 131 Transaktionen (Gesamtjahr 2025: 388). PitchBook sieht den Markt damit zwar auf Kurs für ein Rekordjahr bei der Anzahl der Exits. Aber: 62% aller britischen PE-Exits entfielen auf Sponsor-to-Sponsor-Transaktionen – nach 39,2% im Jahr 2023. Der Begriff „Inzucht“ wäre wohl etwas hart, aber pure Exits sehen jedenfalls anders aus.

Quelle:. PitchBook; Region: Großbritannien; 30. April 2026. Grafik zur Volldarstellung anklicken.

Wie dem auch sei, für eine breitere Öffnung des Exit-Marktes in UK setzt PitchBook auf eine Wiederbelebung des IPO-Geschäfts. Die strukturellen Voraussetzungen seien so günstig wie seit fünf Jahren nicht mehr. Als Gründe nennt der Datenanbieter die Reform der britischen Börsenregeln, sechs Zinssenkungen der BoE sowie die im Vergleich zu den USA gestiegene Attraktivität des Finanzplatzes London. Ob sich diese Erwartungen erfüllen, bleibt abzuwarten.

Preqin (7./21. Juli): „Canada-based LPs in 2026: Shifting Preferences in Private Markets.”

Kanadas öffentliche Pensionsfonds zählen laut Preqin zu den institutionellen Investoren mit den höchsten Private Markets-Allokationen weltweit. Diese strategische Ausrichtung bleibt weitgehend konstant. Jedoch: Die Umsetzung verändert sich.

Binnen sechs Jahren hat sich die Zahl der von Preqin erfassten kanadischen LPs auf rund 790 mehr als verdoppelt. Wachstumstreiber waren vor allem private Pensionsfonds, deren Zahl von 57 (2020) auf 194 (2026) stieg.

Quelle: Preqin, The Daily Pitch; Region: Kanada; April 2026. Grafik zur Volldarstellung anklicken.

Gleichzeitig ging die Zahl der Fondszusagen öffentlicher Pensionsfonds 2024 und 2025 insb. bei PE zurück. Als Gründe nennt Valerie Kor, Financial Writer bei Preqin, Liquiditätsengpässe, ein diszipliniertes Pacing sowie eine Verlagerung hin zu größeren, konzentrierteren Commitments und Co-Investments.

Auch bei den Investitionspräferenzen sieht Preqin eine Verschiebung. Der Anteil kanadischer LPs mit Investitionsplänen für PE-Secondaries stieg binnen eines Jahres von 19 auf 30%, während das Interesse an VC (56 auf 35%) und Buyout-Fonds (50 auf 30%) deutlich zurückging. Als Hintergrund verweist Preqin auf den Outlook 2026 der Canadian Venture Capital & Private Equity Association. Demnach hat die Sicherung der Liquidität von Portfoliounternehmen den Wettbewerb um Talente als größte Herausforderung abgelöst. Sicherung der Liquidität? Ergo: Auch hier sind es am Ende die schleppenden Exits, welche die Entwicklung treiben.

Diese Dynamik bleibt nicht auf Kanada beschränkt. Der Trend – weniger Primärfonds-Commitments, mehr Co-Investments, wachsendes Interesse an Secondaries – ist inzwischen bei einer breiten Basis institutioneller Investoren sichtbar.

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Alle Bilder von Kassandra ab Februar 2025 sind KI-generiert.

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