Run off goes Run off, und Hybridkapital macht sinnlich: Die Frankfurter Leben-Gruppe übernimmt das komplette Deutschland-Geschäft der Athora und gewinnt gleichzeitig die DWS als Investor. Allerdings dürfte es um mehr gehen als nur um eine Kapitalbeteiligung. Die Akteure können sich jedenfalls in einem – frühen – Trend liegend sehen. Und dieser Trend läuft zum Quadrat.
Run off goes Run off: Die Frankfurter Leben-Gruppe übernimmt in ihrer siebten Transaktion den Wettbewerber Athora Deutschland und steigert damit ihren Vertragsbestand auf rund 800.000 Kunden und rund 17 Mrd. Euro Kapitalanlagevolumen. Das ist das eine.
Das andere und interessantere ist: Die DWS wird, wie es heißt, „strategischer Partner für Wachstum und Asset Management“ der Frankfurter Leben (zu der u.a. die Pro bAV Pensionskasse, die Prudentia Pensionskasse und die Frankfurter Pensionskasse gehören). Doch der Reihe nach, zunächst zur Kapitalanlage:
Rüsten für die Kernaufgaben und …
Christian Wrede, CEO der Frankfurter Leben Holding kommentierte zu dem Engagement der DWS: „Die strategische Partnerschaft mit einem der führenden Asset Manager im Versicherungsbereich eröffnet uns weitere Entwicklungsperspektiven.“

In der Mitteilung der Partner heißt es weiter: „Das Management der Kapitalanlagen gehört zu den Kernaufgaben von Abwicklungsplattformen. Die steigenden regulatorischen Anforderungen verlangen dabei großes Know-how und den Zugriff auf internationale Anlagelösungen. Die Kooperation ermöglicht es, entsprechende Skalenvorteile zu nutzen und auch in der Kapitalanlage an Effizienz zu gewinnen.“
… die DWS steigt quasi doppelt ein
Aus Sicht der DWS stärkt die Partnerschaft mit der Frankfurter Leben zwei strategisch attraktive Wachstumsfelder: das Geschäft mit institutionellen Versicherungskunden und das Management von Alternatives.
Genau dort dürfte der strategische Fokus der DWS liegen.
Stefan Hoops, CEO der DWS Group, sieht sein Haus „in unserem Heimatmarkt und unserer Investment-Expertise im Bereich Alternatives ideal positioniert, um bevorzugter Partner für das Management der alternativen Anlagen der Frankfurter Leben-Gruppe zu werden.“ Und genau dort dürfte explizit der strategische Fokus der DWS liegen.
Konkurrenten und/oder Partner?
Bemerkenswert ein weiteres Statement von Frankfurter Leben-CEO Wrede: „Die Reformen in der Altersvorsorge verschärfen den Wettbewerb der Lebensversicherer mit den Asset Managern und erhöhen den Konsolidierungsdruck.“ Will offenbar sagen: Warum abwarten, bis der Konkurrenzdruck immer schärfer wird und nicht lieber direkt miteinander kooperieren?
Wir sehen es auf unserem Parkett jeden Tag.
Und Wrede hat recht. Wir sehen es auf unserem Parkett jeden Tag: Praktisch kein Bestand und keine Neuentwicklung in der Altersvorsorge, ohne dass nicht die Interessen von Asset Managern und Versicherern (die selber oft große Asset Manager-Töchter unterhalten; umgekehrt ist seltener) aufeinanderprallen. Das gilt in der bAV sowieso: Die Versicherungen operieren seit jeher in großem Ausmaß mittelbar in allen fünf DFW, und die Pensionseinrichtungen dürften summa summarum die größte Investoren- und damit die größte Kundengruppe der Asset Management-Industrie in Deutschland sein.

Aber auch das neue zulagengeförderte Altersvorsorgedepot dürfte – obwohl vom Gesetzgeber aus guten industrie- und sozialpolitischen Gründen garantiefrei ausgestaltet – von der Assekuranz beackert werden. Und erst gestern erhielt diese erhebliche Kritik auf PENSIONS●INDUSTRIES, weil sie allen ernstes einen Vorstoß unternehmen will, ihre Sicherungsvermögen in die Frühstartrente zu integrieren.
Da kann eine etwas engere Bindung ja nicht schaden.
Wie dem auch sei, wenn die sich hier und heute in Rede stehenden Akteure dieses zunehmenden Konkurrenzdruck also bewusst sind, dann kann eine etwas engere Bindung ja nicht schaden: Die DWS wird einen niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag in ein Restricted-Tier-1-Kapitalinstrument (RT1) der Frankfurter Leben-Gruppe investieren und damit Hybridkapital zur Verfügung stellen.
1x Bermudas-Deutschland und zurück
Und die Athora-Gruppe? Für diese bedeutet der Verkauf (zum Preis wurden keine Angaben gemacht) offenbar den kompletten Rückzug aus Deutschland. So kommentierte deren CEO Todd Solash: „Wir konzentrieren uns weiter auf den Ausbau unserer Marktpräsenz und das organische Wachstum in den Ländern, in denen wir tätig sind.“
Run off goes Run off.
Die Frankfurter übernehmen den Angaben zufolge alle Athora-Gesellschaften in Deutschland samt aller Bestände und Mitarbeiter. Das könnte man als „Run off goes Run off“ bezeichnen: Das Versicherungsjournal hat hier die in den letzten Jahren offenbar nicht suffiziente Entwicklung des Akteurs von den Bermudas – mit ca. 139 Mrd. AuMA ein keineswegs kleiner Player – auf dem deutschen Markt nachgezeichnet.
Die Transaktion mit Abschluss Mitte 2027 steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Aufsicht.
Fazit von ALTERNATIVES●INDUSTRIES: Run off-Standort Deutschland und …
Bekanntlich passen bestimmte Formen der Alternatives grundsätzlich sehr gut zu Versicherern und erst recht EbAV (wo die Duration noch höher und es außerdem noch nichtmal das Stornorisiko gibt). Deren langfristige Verpflichtungen ermöglichen es (im Rahmen der jeweiligen Garantieprofile) in verhältnismäßig großem Stil Liquidität gegen Illiquiditäts- und Komplexitätsprämien zu tauschen – und das geht bevorzugt auf den Private Markets.
Für die DWS – Kampfgewicht ca. 1,2 Bio. Euro AuM – sollte die Aktion damit ein smarter Schachzug sein. Zum ersten dürfte – nicht zuletzt auch angesichts der schwierigen ökonomischen Perspektive Deutschlands – das Geschäft der Run off-Plattformen weiter an Bedeutung gewinnen; und die Frankfurter Leben ist ja einer der wichtigsten Akteure (außerdem gibt es da draußen noch ein paar Pensionskassen, welche die Versicherer beizeiten nicht mehr benötigen, wenn sie sich, was nachvollziehbar wäre, auf die Direktversicherung fokussieren).
… die Treiber zum Quadrat
Darüber hinaus wirken hier in dem Segment zwei Faktoren zusammen, und das praktisch zum Quadrat: Die Rede ist von der ständig zunehmenden, personal- und kostenaufwändigen Regulatorik für Versicherer und Pensionseinrichtungen sowie von den ständig vielfältiger und komplizierter werdenden Märkten, namentlich den Private Markets.
Und warum zum Quadrat? Weil diese beiden Treiber zum ersten dem Geschäft der Run off-Plattformen gewissen Schwung verleihen und zum zweiten eben diese Plattformen selbst veranlassen, ihre Kapitalanlage zunehmend externen Partnern anzuvertrauen.
Im in Deutschland zunehmend anklingenden Konzert des OCIO könnten Run off-Plattformen damit als Nachfrager künftig eine bedeutendere Rolle spielen. Wenn die DWS also das Wachstumspotenzial der Frankfurter Run off-Plattform durch den Einschuss von Hybridkapital (mit-)ermöglicht und sie gleichzeitig enger an sich bindet, dann stellt sie sich für eben diese Entwicklung auf.
Das zur heutigen Headline anregende Kulturstück findet sich hier:












