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Impact & Infrastruktur Fachtagung der Pensions-Akademie 2026:

Alte Fragen, neue Dringlichkeit, gordische Knoten

Neulich stand in Frankfurt erneut jene Kernfrage auf dem Programm, an der sich die Finanzierung der Energiewende entscheidet – und entfachte eine vielstimmige Diskussion: Wie kommunale Realität am EK scheitert, weshalb ein grüner Schuldschein noch lange kein Greenium bringt, wie sich Klimawirkung in einer einzigen Gradzahl ausdrücken lässt, welches schon abgeräumte Thema wie zurückkommt, warum aus einem Verkäufer- ein Käufermarkt wurde, weshalb sechs Prozent mal reichen und mal nicht, inwiefern deutsches Kapital in nicht-deutsche Infra fließt und mehr … Christian Schneider war dabei – und hörte einen Ton, der sich ändert.

Frankfurt, 18. Juni, diesjährige, vierte Fachtagung Impact & Infrastruktur der Pensions-Akademie. Dichtes Programm – einschließlich der abendlichen Verleihung des Deutschen Pensions-Awards beim Sommerfest –, von dem hier nur einige Aspekte wiedergegeben werden können. Doch eine Frage steht, wie schon im Vorjahr, immer wieder im Mittelpunkt:

Wie gelingt es, institutionelles Kapital gezielt für kommunale und energiebezogene Infrastruktur zu mobilisieren – ohne Risiko, Rendite und Regulierung aus dem Blick zu verlieren?“

Wie so oft auf diesem Parkett gilt: Einfache Antworten drängen sich nicht auf. Doch zwischen Investitionsstau und Wärmewende, zwischen Anlageverordnung und knapper Projektpipeline, zwischen Brownfield-Reife und Messbarkeitsanspruch steht eines fest: Die Transformationsziele sind gesetzt – jetzt geht es um die investierbare Realität. Im Einzelnen (und alle Aussagen wie hier üblich im Indikativ der Referenten):

Gleiche Fakten, mehr Dringlichkeit – und die Rückkehr der Klimafrage

Wiebke Merbeth, Deloitte, auf der diesjährigen Impact & Infrastruktur-Tagung der Pensions-Akademie.

Den ersten Teil moderiert Wiebke Merbeth von Deloitte – und sie gibt dem Tag den Ton vor. Man könnte, kommuniziert Merbeth mit Blick auf die Dringlichkeit, die Folien des Vorjahres nehmen und nur das Datum ändern: „Die Fakten sind die gleichen – nur ist es viel dringlicher geworden.“

Ins Zentrum rückt sie das Wort Resilienz: zunehmend extreme Wetterereignisse, und Schadensstatistiken wie ein Desaster mit Folgen für Fauna und Flora. Bemerkenswert findet Merbeth, dass das bei US-Instituten zwischenzeitlich abgeräumte Thema Klimaanpassung seit einigen Wochen wieder auf die Agenda kommt – nun klar als Risikokomponente.

Entscheidend ist, öffentliche Mittel so einzusetzen, dass sie privates Kapital anziehen.“

Daraus leitet sie die Voraussetzungen für die Dekarbonisierung der Realwirtschaft ab: Die Banken geben ihre Rolle als Finanzierer zunehmend an den Kapitalmarkt ab und sind dafür als Dialog- und Risikoeinheit gefragter. Entscheidend ist, öffentliche Mittel so einzusetzen, dass sie privates Kapital anziehen – und Geschäftsmodelle zu bauen, die nicht nur 1,5-Grad-kompatibel sind, sondern auch bei stärkerer Erwärmung Finanzierung und Versicherbarkeit gewährleisten.

Kommunale Realität: dreistelliger Milliarden-Rückstand, Eigenkapitallücke und …

Christian Raffer vom Forschungsbereich Infrastruktur, Wirtschaft und Finanzen des Deutschen Instituts für U rbanistik (Difu) präsentiert die frisch veröffentlichten Zahlen des KfW-Kommunalpanels 2026 – mit ernüchterndem Ergebnis: Der Investitionsrückstand der Kommunen im Kernha ushalt liegt nun bei 231,2 Mrd. Euro, real ein leichter Anstieg. Die größten Einzelpositionen:

• Schulen: 68,9 Mrd. Euro

• Straßen: 53,7 Mrd. Euro

• Verwaltungsgebäude: 22,2 Mrd. Euro

Quelle: Difu. Grafik zur Volldarstellung anklicken.

Der Rückstand blickt vor allem in die Vergangenheit – Ergebnis jahrzehntelang unterlassenen Unterhalts. Die eigentliche Transformation aber findet nicht nur im Kernhaushalt statt, sondern auch bei den rund 900, meist kommunal verankerten Energieversorgern.

Die Eigenkapitallücke von etwa 12 Mrd. Euro konzentriert sich bei kleinen, finanzschwachen Stadtwerken.“

Deren Investitionsbedarf für den Umbau der Energieinfrastruktur beziffert Raffer mit Verweis auf eine Studie aus dem Umfeld von Agora Energiewende und Stiftung Klimaneutralität auf über 600 Mrd. Euro bis 2045; bis 2035 sind rund 68 Mrd. Euro zusätzliches Eigenkapital nötig – bei einer Eigenkapitallücke von etwa 12 Mrd. Euro, konzentriert bei kleinen, finanzschwachen Stadtwerken.

das kaum messbare Greenium

Raffers Blick auf die Instrumente fällt nüchtern aus: Schuldscheine machen gerade einmal 1% der kommunalen Investitionsfinanzierung im Kernhaushalt aus; den grünen Schuldschein nutzt bislang nur eine Handvoll großer Kommunen.

Christian Raffer, Difu.

Und das vielbeschworene Gre enium? „Im Moment nicht wirklich messbar.“ Anders als beim Bund, der über Zwillingsanleihen einen sauberen Vergleich erlaubt, lässt sich auf kommunaler Ebene kaum ein Finanzierungsvorteil belegen.

Werden Kommunen und öffentliche Unternehmen die Werkzeuge nutzen.“

Als gelungenes Praxisbeispiel führt Raffer die Hamburger Energiewerke an, die 2024 den ersten grünen Schuldschein begaben: 506 Mio. Euro im Orderbuch, 400 Mio. Euro abgenommen, verteilt auf 58 Investoren – mit großem Anteil institutioneller Anleger. Sein Fazit: Die Bedarfe sind enorm, privates Kapital aber nur ein Baustein eines breiten Mixes – und die offene Frage lautet weniger, ob es die Werkzeuge gibt, als vielmehr, ob Kommunen und öffentliche Unternehmen bereit sind, sie zu nutzen.

Das System modernisieren – Netze, Sektorenkopplung und eine Hochzeit

Dirk Filzek, House of Energy.

Dirk Filzek vom House of Energy, dem hessischen Innovationscluster für die Energiewende, ordnet den Umbau technologisch ein. Global hat sich das Bild gedreht: Die PV-Neuinstallation stieg binnen zehn Jahren von 77 auf 700 GW; 2025 wurde weltweit erstmals so viel Strom aus Erneuerbaren erzeugt wie aus Kohle, und über 90% der neu installierten Kraftwerksleistung waren erneuerbar.

Ohne geduldiges Kapital keine Energiewende.“

Der eigentliche Engpass aber liegt in den Netzen. Mit der Elektrifizierung und neuen Stromverbrauchern wie Wärmepumpen, E-Autos und Rechenzentren verschiebt sich die Energiewende in die unteren Spannungsebenen, die vielerorts noch „blind“ sind; der Investitionsbedarf in Verteilnetze für Strom und Wärme summiert sich bis 2045 auf rund 650 Mrd. Euro.

Quelle: House of Energy. Grafik zur Volldarstellung anklicken.

Die Antwort heißt Flexibilität, Speicher, Sektorenkopplung und Digitalisierung. Letztlich geht es um die Modernisierung unserer Energieinfrastruktur – und um eine resiliente und verlässliche Versorgung in einem klimaneutralen Energiesystem. Und, mit Blick aufs Pu blikum: „Ohne geduldiges Kapital keine Energiewende.“ Entscheidend, so Filzek, ist die Verheiratung privater Finanzierung mit Bezahlbarkeit für die End kunden.

Aus der Praxis – Eigenkapital, Genussrechte und ein Zaun um die Fernwärme

Michael Teigeler, Stadtwerke Heidelberg.

Michael Teigeler von den Stadtwerken Heidelberg, frisch gekürter Energiemanager des Jahres, übersetzt die Theorie in die Praxis der Stadtwerke. Sein Ausgangspunkt: Finanz- und Energiewirtschaft müssen sich erst kennenlern en, zumal es nicht um Geld geht, sondern um die ungewohnte Eigenkapitalseite: „Wir brauchen nicht einfach nur Geld – wir brauchen Eigenkapital.“

Um Volatilität und Komplexität in vestierbar zu machen, zieht Teigeler einen Zaun um klar messbare Erzeugungsanlagen der Fernwärme – Großwärmepumpen, eine Flusswärmepumpe am Neckar mit 30 MW. Die Bürgerinnen und Bürger bindet Heidelberg über ein Genussrecht in Form einer Schwarmfinanzierung ein (3,5 bzw. 3,75% Verzinsung, gedeckelt bei 6 Mio. Euro) – charmant, aber zu klein für institutionelle Tickets. Für diese gründet er eine eigene Gesellschaft allein für ein 120-Mio.-Investment, mit Lieferabnahmevertrag und einem Zinssatz um die 6%. Den Förderdreiklang skizziert er mit 20 bis 25% EK, 40% Förderung (über die BEW) und 35 bis 40% FK.

Zweistellige Renditeerwartungen lassen sich nicht in den Strom- oder Wärmepreis weiterreichen.“

Was das von den Kapitalgebern verlangt, fasst Teigeler in einem Satz zusammen: „Wenn privates Kapital nicht bescheiden ist, kann es nicht klappen.“ Denn seine These: Infrastruktur muss sich am Zins langlaufender Bundesanleihen orientieren – zweistellige Renditeerwartungen lassen sich im regulierten Bereich schlicht nicht in den Strom- oder Wärmepreis weiterreichen.

Sein Plädoyer mündet in einer Systemidee: ein Finanzierungsfonds als Plattform, der standardisierte kommunale Projekte (5, 10, 15 Mio. Euro) bündelt und mit größeren Tickets (50, 100, 200 Mio.) zusammenführt – ein Gedanke, den er auch in den Deutschlandfonds eingespeist hat.

Regulierung und Realität – der gordische Knoten

Michael Bommer, Head of Sustainable Finance & ESG des BAI, beleuchtet die Lücke zwischen regulatorischem Anspruch und investierbarer Realität: Der Investitionsbedarf bewegt sich in der Größenordnung von 1,1 bis 5 Billionen Euro; Deutschland ist mit 2,1% des BIP Schlusslicht gegenüber 3,7% im EU-Schnitt – und selbst die 500 Mrd. Euro Sondervermögen reichen nicht ohne privates Kapital, „ein struktureller gordischer Knoten.“

Deutsches Vorsorgekapital fließt über nicht-deutsche Strukturen in nicht-deutsche Infrastruktur.“

Michael Bommer, BAI.

Riesiger Bedarf trifft auf enorme Kleinteiligkeit (so sehen es 20% der Befragten einer BAI-Studie) und auf fehlende Strate gien im eigenen Haus (bis zu 45%). Hinzu kommt der altbekannte und anhaltende Anti-Home-Bias: Deutsches Vorsorgekapital fließt überwiegend über nicht-deutsche Strukturen in nicht-deutsche Infrastruktur.

Immerhin: Auf das im Vorjahr vorgelegte Policy Paper des BAI folgt der SFDR-2.0-Entwurf vom 20. November 2025 mit einem Impact-Add-on, das den eigenen Vorschlägen inhaltlich nahekommt – nutzbar nur in den Kategorien Transition oder Sustainable, mit 70%-Schwelle. Bommers Pointe Richtung Stadtwerke: Man kann die Konflikte entschärfen, indem man die Nutzer qua Altersvorsorge zu Mitinhabern macht.

Steuerrecht im Wandel – Quote, LMTs, Einbringungsfonds

Marco Simonis, Clifford Chance.

Marco Simonis und Andrius Bielinis von Clifford Chance führen durch vier Baustellen für AnlV-Investoren und die bAV:

Erstens: Das Kapitalanlag erundschreiben aus 2017 wird überarbeitet – kürzer, fokussierter, im neuen Format –, ein fester Zeitplan steht aber noch aus.

Zweitens: Die zum Februar 2025 eingeführte Infrastrukturquote (§ 3 Abs. 7 AnlV) wird in der Praxis weit ausgelegt; Rechenzentren und Schulen lassen sich darunter fassen, und auch die Durchschau durch Fond s ist – sobald identifizierbar – Thema einer Abstimmung mit der BaFin.

Das erfreulichste Update betrifft die Einbringungsfonds.“

Drittens: Seit April 2026 verpflichtend sind die Liquiditätsmanagementinstrumente (§ 30a KAGB), von denen mindestens zwei vorzuhalten sind.

Viertens: Das erfreulichste Update betrifft die Einbringungsfonds. Die für die Steuerneutralität wichtige grunderwerbsteuerliche Behandlung von Personengesellschaften – nach Abschaffung des Gesamthandsprinzips zunächst nur befristet repariert – ist vor wenigen Tagen, und nun unbefristet, gesichert worden.

Andrius Bielinis, Clifford Chance.

700 Tonnen CO₂: Wirkung messbar machen – von der Emission zum Grad

Charlotte Becker vom BVV – der über 34 Mrd. Euro AuM verwaltet – zeigt gemeinsam mit Hannah Helmke, Gründerin von right. based on science, wie sich Klim awirkung messbar machen lässt. Die Ausgangsfrage stellt Becker ins Publikum: „Wer kann mit 700 Tonnen CO₂-Äquivalent etwas anfangen, mit einer Emissionszahl ohne Bezugspunkt? Eben.“

Klimawirkung messbar machen heißt, Verantwortung investierbar machen.“

Helmke übersetzt: Das XDC-Modell (X-Degree Compatibility) verdichtet die Klimaleistung eines Unternehmens oder Portfolios zu einer einzigen Temperaturkennzahl – der Frage, wie warm die Welt würde, hätten alle dieselbe Performance wie die betrachtete Einheit. Greifbar wird das an zwei Beispielen: Die Autobahn GmbH baut ihren Transitionsplan nach CSRD ESRS E1 mit XDC auf, womit die eigene Dekarbonisierung zum Wettbewerbsfaktor in Ausschreibungen wird; SFC Energy, ein Brennstoffzellenhersteller im SDAX, kommt auf 1,9 Grad – deutlich besser als der Sektor – und ist auf Kurs Richtung 1,6 Grad.

Charlotte Becker, BVV, und Hannah Helmke right based on science.

Beckers Zielbild folgt einem Zyklus aus Messen, Einordnen, Steuern und Lernen, der Schritt für Schritt vom Reporting in die Steuerung führt: „Klimawirkung messbar zu machen heißt, Verantwortung investierbar zu machen.“ Denn: Was man nach außen sagt, muss man auch belegen.

Podium: Wem gehört das Geld, was ist einfach und …

Im ersten Panel treffen Energieversorger- und Investorensicht aufeinander: Auf dem Podium diskutieren Felix Schleer aus dem Financial Asset Management der EnBW, Christian Wolf, Risikomanager des BVV, sowie der bereits am Vormittag aufgetretene Raffer (DIFU), moderiert von Merbeth.

Schleer beschreibt das Aufeinandertreffen zweier Denkschulen: Die Kapitalseite blickt zuerst auf die Risiken, die Energieversorger denken in anderen Kategorien. In Deutschland gibt es viel Aufholbedarf für das gegenseitige Verständnis, damit vorhandenes Vorsorgekapital in heimische Infrastruktur fließen kann – erschwert dadurch, dass beide Seiten gern „alles besser“ wissen. Sein Rezept: Ehrlich miteinander reden und gemeinsam erarbeiten, wo man zusammenarbeiten muss.

Unterschiedlichen Handlungslogiken, die hart aufeinanderprallen.“

Raffer ergänzt aus der Verwaltungsperspektive: Privater und öffentlicher Sektor folgen unterschiedlichen Handlungslogiken, die hart aufeinanderprallen – bis hin zur Sprache, wenn Start-up-Vokabular auf Verwaltungsalltag trifft. Entscheidend ist, die Schwellen abzubauen und verständliche Angebote zu machen. Den Föderalismus verteidigt er dabei als Stabilitätsressour ce: Bedächtige, parlamentarisch abgesicherte Entscheidungsprozesse geben Zeit, Ko nzepte zu durchdenken. Als Vorbild nennt er den grün-schwarzen Koalitionsvertrag in Baden-Württemberg, der Energie- und Finanzpolitik zusammendenkt – anders als der Bund.

Es ist ja gar nicht unser Geld.“

Wolf erinnert mit feiner Klinge daran, worum es eigentlich geht: „Es ist ja gar nicht unser Geld.“ Im Umfeld gestiegener Zinsen steht deutsche Infrastruktur stärker im Wettbewerb mit klassischen Anlagen und muss deshalb einfacher werden. Genauso wichtig ist Verlässlichkeit, auch von der Politik: Das Beispiel Spanien mit seiner Einspeisethematik zeigt, wie dramatisch sich Eingriffe auf Projekte auswirken.

Felix Schleer, EnBW, Merbeth Wiebke, Deloitte, Christian Raffer, Difu, und Christian Wolf, BVV.

Wolfs Wunschliste bleibt kurz: Verlä sslichkeit und Einfachheit. Hinzu kommt ein blinder Fleck: Die Risikoseite – gerade die Transitionsrisiken – wird noch gar nicht vollständig bewertet; bringt man das zusammen, ergeben sich ganz andere Fragen.

Ich kann nicht zulasten der Berechtigten dauerhaft auf Rendite verzichten.“

Daran schließt die Debatte an, ob privates Kapital „bescheiden“ bleiben muss. Schleer hält dagegen: Als Verwalter der Pensionen kann er nicht zulasten der Versorgungsberechtigten dauerhaft auf Rendite verzichten – Risiko und Rendite müssen zusammenpassen, in einem Nachhaltigkeitsportfolio lässt sich nur „ein Stück weit“ nachgeben. Auf der Versorgerseite zählt für ihn der Dreiklang aus Versorgungssicherheit, Kosten und Klimaschutz; das Portfolio entwickelt die EnBW in Richtung SFDR Artikel 8.

warum passiert nichts?

Raffer treibt vor allem eine Frage um, angesichts etwa v on Fondslösungen, die bestimmte Risiken herausnehmen und privates Kapital zugänglich machen: „Wir kennen diese Ideen seit Langem – und es passiert nichts.“

Auch Merbeth zeigt sich ernüchtert: Beim Gedanken an einen Staatsfonds war die Erwartung der ersten Jahre zu hoch, weil Projekte erst geplant und beantragt werden müssen. Ihr Appell richtet sich am Ende ans Publikum – als Steuerzahler und Wähler das Thema stärker einzufordern.

Marktgespräch – vom Käufermarkt zur Konvergenz

Dennis Lehnhoff, Mercer.

Den Nachmittag moderiert Dennis Lehnhoff von Mercer. Seine Leitfrage: Wie wird aus der Transformation des Energiemarkts und dem Ausbau digitaler Infrastruktur eine belastbare Investition?

Friedrich Schenk, Head of M&A bei Cycap (vormals CEE Group), beschreibt den Wandel vom Verkäufer- zum Käufermarkt: komplexere Investments inkl. BESS als Reaktion auf sinkende Capture-Raten in den europäischen Märkten und den bevorstehenden EEG-Umbau hin zu einem zweiseitigen Contract for Difference. Sein Kernpunkt zur Batterie: „Nicht die Rendite allein – die Reduktion der Volatilität.“

Der hohe Liquiditätsbedarf der Verkäufer verschieben Verhandlungsmacht bei bekannten Vertagsinstrumenten – von Gewährleistungsversicherungen (W&I) über Earn-Outs bis zu Verkäuferdarlehen.

Quelle: House of Energy. Grafik zur Volldarstellung anklicken.
Friedrich Schenk, Cycap.

Hans-Peter Bauder und David Emes von L&G sehen eine zunehmende Verflechtung der europäischen Märkte für digitale Infrastruktur und saubere Energie. Sie verweisen dabei auf die in den letzten Jahren steigende Nachfrage nach Cloud-Diensten, KI, 5G und Glasfaser sowie auf den wachsenden Strombedarf, was die Argumente für sauberen, zuverlässigen und lokal erzeugten Strom stärkt. Die grobe Größenordnung kalkuliert Emes: „So viel neue Stromnachfrage, als hänge man Italien zusätzlich ans Netz.“

Entscheidend ist, Fachwissen in beiden Feldern zu bündeln.“

Da digitale Souveränität und Energiesicherheit immer enger miteinander verknüpft sind, wird das künftige Wachstum von Investitionen sowohl in digitale Vermögenswerte als auch in die dafür erforderliche Energieinfrastruktur abhängen, darunter erneuerbare Energien, Stromnetze, Speicherkapazitäten und Flexibilitätslösungen. Entscheidend ist aus ihrer Sicht, Fachwissen in beiden Feldern zu bündeln.

Hans-Peter Bauder und David Emes, L&G.

Im Schlusspanel, ebenfalls von Lehnhoff geführt, ist der Auslöser für neue Investitionen vor allem investorengetrieben. Für Cycap ist Deutschland weiterhin der „absolute Kernmarkt“, so Schenk, gerade wegen der Chancen im Repowering; für L&G dagegen lange unterinvestiert – nun aber interessant über die Elektrifizierung der Wärme, jenes Feld, das mit Heidelberg am Vormittag begann.

Fazit des Autors

Infrastruktur ist auch in diesem Jahr kein Selbstzwe ck – sondern Mittel zu Dekarbonisierung, Versorgungssicherheit und Portfoliostabilität. Doch der Ton hat sich verschoben: Wo im Vorjahr die Mobilisierung im Zentrum stand, geht es jetzt spürbar konkreter um das Wie. Drei Linien ziehen sic h durch den Tag.

Erstens das Eigenkapital: Vom Heidelberger Genussrecht über die kommunale EK-Lücke bis zur Plattformidee dreht sich vieles um die Frage, wie sich nachrangiges, geduldiges Kapital ohne Mitspracheangst einbinden lässt.

Zweitens die Messbarkeit: Mit dem XDC-Ansatz wird die Wirkung von den Berichtspflichten zur Steuerungsgröße – Voraussetzung dafür, dass die Transitionsrisiken überhaupt vernünftig bepreist werden.

Und drittens die Einfachheit: Der lauteste gemeinsame Nenner zwischen Versorgern und Investoren ist nicht die Rendite, sondern Verlässlichkeit und verständliche Strukturen.

Den treffendsten Satz hatte ohnehin die Moderatorin parat: Merbeth eröffnete mit der Feststellung, die Fakten sind die gleichen wie im Vorjahr – nur dringlicher. So endete der Tag, wie er begann. Nur die Uhr tickt lauter.

Die Pensions-Akademie versteht sich als Plattform, um diesen Dialog zu fördern – sachlich, praxisnah und generationenübergreifend. Ziel ist es, Kapitalanlage und Infrastrukturentwicklung so zu verbinden, dass finanzielle Sicherheit und gesellschaftlicher Fortschritt Hand in Hand gehen.

Und schließlich der Autor dieses Beitrages, Christian Schneider. Alle Fotos: Foto Tim Wegner, Frankfurt.

Der Autor ist Gründungsmitglied, Beiratsmitglied sowie Schatzmeister der Pensions-Akademie e.V. und verantwortlich für Konzeption und Durchführung der Impact & Infrastruktur Fachtagung.

Von ihm und anderen Autoren der Pensions-Akademie e.V. sind bereits auf PENSIONSINDUSTRIES bzw. ALTERNATIVESINDUSTRIES erschienen:

Infra-Fachtagung der Pensions-Akademie 2025:
Zwischen Realität, Regulierung und Rendite
von Christian Schneider, 24. Juli 2025

Auftaktveranstaltung der Pensions-Akademie 2025 (II):
1001 Nacht – doch was wird aus der Wunderlampe?
von Andreas Fritz, 27. April 2025

Pensions-Akademie Impact & Infrastruktur-Fachtagung (II):
Drei beherrschende Themen …
von Christian Schneider, 30. Juli 2024

Einblicke vom Impact Round Table bei der Pensions-Akademie:
Mehr Nachhaltigkeit wagen!
von Christian Schneider, 20. Oktober 2023

Deutscher ESG Pensions Award 2023:
Das ist der Preis der Nachhaltigkeit
6. Oktober 2022

Pensions-Akademie:
Klimflation goes Stresstest …
von Frank Vogel, 22. Februar 2022

Zeit für eine kleine (Zwischen-)Bilanz:
Sechs Jahre Pensions-Akademie
von Frank Vogel, 17. Dezember 2021

Nach fünf Jahren:
Die Pensions-Akademie hat sich nachhaltig etabliert
8. Oktober 2021

Ein Kompendium an nachhaltiger Lektüre:
Innovative Nachhaltigkeit in Einrichtungen der bAV“
2. September 2021

Nachhaltigkeit in der bAV – der zweite ESG Pensions Award:
Von der Pflicht zur Kür …
17. Februar 2021

Jahresauftaktveranstaltung 2019 der Pensions-Akademie:
Vor welchen Perspektiven steht die bAV?
26. März 2019

Herbsttagung der Pensions-Akademie:
Im Spannungsfeld zwischen PEPP und Praxis
25. September 2018

Auftaktveranstaltung 2018 der Pensions-Akademie:
Zum Glück keine Ruhe für die bAV
6. Februar 2018

Fachtagung der Pensions-Akademie:
Da klingeln bei mir die Alarmglocken“
22. September 2017

Einblicke vom Impact Round Table bei der Pensions-Akademie:
Mehr Nachhaltigkeit wagen!
von Christian Schneider, 20. Oktober 2023

Deutscher ESG Pensions Award 2023:
Das ist der Preis der Nachhaltigkeit
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Pensions-Akademie:
Klimflation goes Stresstest …
von Frank Vogel, 22. Februar 2022

Zeit für eine kleine (Zwischen-)Bilanz:
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Nach fünf Jahren:
Die Pensions-Akademie hat sich nachhaltig etabliert
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25. September 2018

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Fachtagung der Pensions-Akademie:
Da klingeln bei mir die Alarmglocken“
22. September 2017

Diskriminierungsfreie Sprache auf LEITERbAV

LEITERbAV bemüht sich um diskriminierungsfreie Sprache (bspw. durch den grundsätzlichen Verzicht auf Anreden wie „Herr“ und „Frau“ auch in Interviews). Dies muss jedoch im Einklang stehen mit der pragmatischen Anforderung der Lesbarkeit als auch der Tradition der althergerbachten Sprache. Gegenwärtig zu beobachtende, oft auf Satzzeichen („Mitarbeiter:innen“) oder Partizipkonstrukionen („Mitarbeitende“) basierende Hilfskonstruktionen, die sämtlich nicht ausgereift erscheinen und dann meist auch nur teilweise durchgehalten werden („Arbeitgeber“), finden entsprechend auf LEITERbAV nicht statt. Grundsätzlich gilt, dass sich durch LEITERbAV alle Geschlechter gleichermaßen angesprochen fühlen sollen und der generische Maskulin aus pragmatischen Gründen genutzt wird, aber als geschlechterübergreifend verstanden werden soll. Auch hier folgt LEITERbAV also seiner übergeordneten Maxime „Form follows Function“, unter der LEITERbAV sein Layout, aber bspw. auch seine Interpunktion oder seinen Schreibstil (insb. „Stakkato“) pflegt. Denn „Form follows Function“ heißt auf Deutsch: "hässlich, aber funktioniert".

Alle Bilder von Kassandra ab Februar 2025 sind KI-generiert.

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