Die Meldung sorgt für Aufregung: Die Zentralbank von New York untersucht offenbar schon seit dem Frühjahr Private Debt-Engagements vier namhafter Großbanken. Als ausdrückliches Krisenmerkmal sollte das nicht verstanden werden. Dass die Nervosität steigt, zeigt der Vorgang aber allemal. Und dass Private Debt vom Bankwesen nicht wirklich getrennt ist, auch. Schließlich: Dass es in dem Segment Probleme gibt, ist weder neu noch überraschend. Aber es verstärkt die Wahrscheinlichkeit der Rückkehr des sanftesten aller Ungeheuer, die uns drohen.
Erst die Schuldner, jetzt die Gläubiger: Gerade erst haben neue Daten gezeigt, dass im US-Private-Credit-Markt die Ausfälle und vor allem die weniger sichtbaren „Soft Defaults“ zunehmen: 6,3% Ausfallquote nennt Fitch, 19% „Shadow Default Rate“ ermittelt Pimco. Der Trend setzt sich damit fort.
Nun kommen aus Übersee Meldungen, dass die Sache eine weitere Ebene erreicht: Laut übereinstimmenden amerikanischen Medienberichten, v.a. von der Medienplattform Semafor, prüft die New York Fed derzeit bei vier Großbanken deren Kredite an Private Debt–GPs. Die Namen sind klangvoll: JPMorgan, Wells Fargo, Morgan Stanley und Barclays.
Hat man sich möglicherweise bei der New Yorker Fed schon im Frühjahr die Frage gestellt: Wenn bei den Schuldnern der PD-GPs und der BDCs die Probleme zunehmen, wer finanziert eigentlich diese PD-Finanzierer, und wie sehen deren Collaterals aus? Und dabei fielen zuvorderst offenbar vier Namen. Teils seien die Untersuchungen mittlerweile abgeschlossen. Öffentliche Bestätigung der Angelegenheit durch die NY Fed gibt es allerdings bis dato nicht.
Von wegen hat mit Banken nichts zu tun
Nun, dass Aufsichtsbehörden Banken prüfen, ist per se nicht ungewöhnlich und darf nicht überdramatisiert werden. Allerdings zeigt der spezielle Vorgang hier, dass Private Debt nicht abseits des Bankwesens steht, keineswegs isoliert davon ist. Rückkopplungen gibt es hier sehr wohl. Am Ende sind die Banken als Finanzierer von GPs und BDCs also mittelbar doch noch in einem Segment engagiert, aus dem sie sich seit der Finanzkrise eigentlich sukzessive zurückgezogen hatten.
Mehrere US-Zentralbanken haben bereits angekündigt, dass sie das Segment Private Debt weiter untersuchen wollen. Grund genug gibt es: Allein der US-Markt wird auf 1,3 Bio. USD Kampfgewicht geschätzt.
Fazit von ALTERNATIVES●INDUSTRIES: Die Zutaten sind da
Dass der Stress auch bei Private Debt zunimmt, ist ja auch alles andere als neu und außerdem keineswegs unplausibel: Der derzeit rapide anziehende Zins, in erster Linie von der eskalierenden Staatsverschuldung ausgehend, macht vor keiner Asset-Klasse halt underst recht vor keiner Realwirtschaft. Jedes operative Business auf dem Planeten wird bei höherem Zins c.p. schwieriger. Die Wirtschaft läuft langsamer, die Kunden haben weniger Geld, und v.a. wird die Refinanzierung teurer.
Wenn man nur noch bedenkt, dass wir es hier bei PD mit einem Segment zu tun haben, in das in den letzten Jahren enorm viel Geld geflossen ist – was zwangsläufig auch schlechtes Geschäft produziert und finanziert (kennt man bestens aus dem Immobiliengeschäft) – dann wäre es auch überraschend, wenn der Stress in dem Segment nicht zunähme.
Hinzu kommen die bekannten Probleme bei den Redemptions, nicht zuletzt weil man in den letzten Jahren auch Private Debt zunehmend Investoren angedient hat, für die das Wort Illiquiditätsprämie ein Fremdwort ist. Gerade erst hatte Blue Owl erneut Redemptions in erheblicher Größenordnung zu vermelden (wenn auch etwas geringer als in früheren Quartalen). Nicht umsonst haben Secondaries und Contis auch in Private Debt bereits Konjunktur. Und auch die weiter steigenden PIKs sprechen eine klare Sprache.
Übrigens: Auch in Deutschland hat die Aufsicht das Thema längst im Blick.

Aber machen wir uns nichts vor: Natürlich geht die Sache weiter als Private Debt. Die Staatsschulden eskalieren, im Kielwasser die Zinsen nicht minder, alle Assets geraten unter Druck, namentlich Immobilien und Fixed Income und natürlich auch Private Debt. Selbstverständlich dürfte es da draußen zahlreiche Bank-Bilanzen geben, auf deren Aktiv-Seite erhebliche Abschreibungen drohen. Entweder, weil sie solche Assets selber in den Büchern haben – oder weil sie sie finanziert haben. Dass wir hier vor einer neuen Bankenkrise stehen, ist alles andere als ausgemacht. Fest steht aber, dass so einige der nötigen Zutaten dafür vorhanden sind (die prekäre Geolage kommt noch obendrauf).
Die Staatsschuldenkrise steht also nicht allein in der Welt, sondern ihre unmittelbaren und mittelbaren Effekte wirken auf alle Märkte – zuvorderst dort, wo schlecht gemanagt worden ist; und das gibt es immer verstärkt dann, wenn viel Geld fließt.
Apropos viel Geld: Da sind wir schon bei der Lösung. Die Kröte bleibt dabei, am Ende wird vermutlich nur QE stehen können – als das sanfteste aller Ungeheuer, die uns drohen.














