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Tickernatives (XXI):

Der beste Gründer ist der Krieg …

zumindest kann man den Endruck bekommen, sieht man auf die Start-up-Entwicklung:In dieser Rubrik fasst ALTERNATIVESINDUSTRIES (un-)regelmäßig nur einige kurze Meldungen, namentlich auch von der Produktseite, aus dem schieren Ozean der Private Markets mit einem groben Deutschland- und Europa-Filter tickerartig zusammen und ordnet sie ein. Diesmal geht es ausschließlich um Start-ups und VC: der wachsende Decacorn-Club hier und dort, über Deutschlands Deep-Tech- und Defense-Boom und was die Bundesregierung unternimmt.

PitchBook (24. Juli): „2026`s Decacorns Class on Track to surpass 2021 Record.“
VC zum ersten: Der Decacorn-Club in den USA wächst weiter: 19 Start-ups sind 2026 laut PitchBook neu in den Kreis der Decacorns aufgestiegen, d.h. sie werden damit erstmals mit mindestens 10 Mrd. USD bewertet. Das sind schon jetzt mehr Neuzugänge als im gesamten Vorjahr (18). In Reichweite: der Rekord aus dem Jahr 2021 mit 22 Playern

Insgesamt zählt PitchBook 63 aktive US-Decacorns, gegenüber 53 im Vorjahr und 26 im Jahr 2021.

PitchBook; Region: USA; 21. Juli 2026.

Quelle:. Grafik zur Volldarstellung anklicken.

Ein zentraler Treiber der Entwicklung, und wie könnte es anders sein: KI. Allein im ersten Halbjahr flossen laut PitchBook 355,9 Mrd. USD bzw. 86% des gesamten US-VC-Deal-Volumens in KI-Startups. Und groß wird offenbar noch größer: Mega-Deals ab 100 Mio. USD stehen für 87,5% des gesamten Deal-Volumens von 412,7 Mrd. USD.

Die Datenanalysten verweisen dabei auch auf einen Konzentrationseffekt: Investoren setzen größere Tickets auf weniger Unternehmen, die bereits Scale erreicht haben. Rodrigo Liang, Mitgründer des KI-Chip-Unternehmens SambaNova, bringt es gegenüber PitchBook auf den Punkt: „The Industry is putting its Bet on fewer Players“.

Der Decacorn-Rekord spricht damit womöglich weniger für einen breiten VC-Boom als für eine zunehmende Kapitalkonzentration auf wenige große Gewinner.

63 Decacorns in den USA also. Und Deutschland? Wenn Sie hier im kassandrischen Pessimismus nun die Zahl Null erwartet haben, liegen Sie falsch. Mit dem Softwarehaus Celonis, dem Defence-Tech Helsing und dem Neobroker Trade Republic gibt es mindestens deren dreie – immerhin fast 5% des US-Wertes. Für ein kommendes Industriemuseum ist das gar nicht so schlecht.

EY (22. Juli): „5,3 Milliarden Euro Risikokapital für Jungunternehmen in Deutschland im ersten Halbjahr 2026.“

Apropos Deutschland, und VC zum zweiten: Deutsche Start-ups haben im ersten Halbjahr 2026 dem EY-Parthenon-Startup-Barometer zufolge knapp 5,3 Mrd. Euro Risikokapital eingesammelt – 14% mehr als im Vorjahreszeitraum (rund 4,6 Mrd. Euro). Gleichzeitig sank die Zahl der Finanzierungen um 11% auf 354 Deals. Heißt: Der Markt wird teurer und enger, nicht breiter.

Erstmals kamen drei deutsche Länder über die Milliardengrenze: Berlin holte sich mit knapp 1,7 Mrd. Euro (+10%) die Spitze zurück, Baden-Württemberg folgte mit knapp 1,6 Mrd. (+475%, da dies praktisch an einem Deal hängt: der rund 1,2-Mrd.-Runde von Neura Robotics). Bayern fiel auf gut 1,1 Mrd. Euro zurück (−46%), nachdem der Freistaat 2025 noch klar vorn gelegen hatte. Bemerkenswert: Das große, alte (und leicht heruntergekommene) Industrieland NRW erreicht mit 167 Mio. Euro (entsprechend −58%) nur Platz 6.

Wie erwähnt: Das Kapital konzentriert sich. Die Zahl der Runden über 50 Mio. Euro stieg nur leicht von 15 auf 17 – ihr Anteil am Gesamtvolumen sprang aber von 55 auf 67%. Vier der zehn größten Deals sitzen in Berlin: Drohnen-Entwickler Stark (500 Mio.), Parloa (299), Taktile (94) und Flink (86) – zusammen 979 Mio. Euro oder 58% des Berliner Volumens.

Thomas Prüver, Partner bei EY-Parthenon, nennt den Technologiesektor den zentralen Wachstumstreiber – KI, Defense, Energy, HealthTech. Zugleich warnt er: Investoren setzen auf wenige große, vermeintlich sichere Wetten; heißt: Junge und kleine Start-ups bleiben oft außen vor. Innovation entstehe aber „vor allem durch eine breite und lebendige Gründerszene“. Im internationalen Vergleich bleibe Kapitalverfügbarkeit eine strukturelle Schwäche, verschärft durch Konjunktur, Energiekosten und Regulierung. KI-Bewertungen müssten sich künftig durch Geschäftsentwicklung rechtfertigen.

Prüvers Kritik kann man sich anschließen – und noch grundsätzlich sehen. Die Headline der EY-Mitteilung klingt freundlicher, als die Substanz es ist. Das Plus von 14% ist real, aber ob daraus ein belastbares Start-up-Ökosystem entsteht, bleibt abzuwarten, von einem Boom ganz zu schweigen. Ohne Neura Robotics stünde das einstige Tüftlerland Baden-Württemberg praktisch nackt da, ohne Stark und Parloa wäre Berlins Comeback deutlich kleiner, ohne Isar Aerospace pressierte Bayerns Minus noch schärfer.

Und klar sein muss mit Blick auf die insgesamt steigende Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von Defense auch: Man kann sie zwar für wünschenswert halten, aber nur von Rüstung kann die Innovationskraft eines Industrielandes nicht leben.

PitchBook hat übrigens ähnliche Zahlen ermittelt, kommt für H1 auf ein Funding für Investitionen in deutsche Start-ups von 6 Mrd. Euro. Hält das Tempo, dürfte auch das Deal-Volumen 2026 fast 40% über dem Vorjahr liegen – und damit stärker wachsen als in UK und Frankreich. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Deals auch nach PitchBook-Daten, also auch hier das alte Lied: Mehr Kapital konzentriert sich auf weniger Unternehmen.

Quelle:. PitchBook; Region: Deutschland; 30. Juni 2026. Grafik zur Volldarstellung anklicken.

Rückenwind kommt vor allem aus Deep Tech und Defense – also aus zwei Bereichen, in denen Deutschland laut PitchBook traditionell stark ist. Fast die Hälfte der wertvollsten europäischen Defense Tech Start-ups sitzt hierzulande. Hinzu kommt ein Shift im VC-Markt: weg von Software-as-a-Service (SaaS) hin zu Hardware und wissenschaftsbasierten Geschäftsmodellen. Deutschlands industrielle Basis und technische Hochschulen spielen dem Standort, so PitchBook, dabei zusätzlich in die Karten.

Die Analysten sehen allerdings auch Schwachstellen: Mit 1,8 Mrd. Euro liegt das Late Stage-Volumen im H1 hinter dem Vorjahrestempo, auch die Exit-Aktivität bleibt schwach.

Unterm Strich wächst Deutschlands VC-Markt also kräftig – die Dynamik kommt allerdings nicht in allen Segmenten an. Dazu passt das Folgende:

Preqin (6. August): „The insider: Germany’s new Start-Up Strategy aims to boost direct Investment and Innovation in Defense.“
VC zum dritten, Deutschland zum zweiten: Der Staat Bundesrepublik rüstet auf – offenbar auch bei VC. Preqin verweist auf die neue Start-up- und Scale-up-Strategie der Bundesregierung mit rund 150 Maßnahmen. Ein besonderes Augenmerk gilt Security und Defense, von KI und Cybersecurity bis zu unbemannten Systemen. Erklärtes Ziel: mehr privates und öffentliches VC mobilisieren.

Dass das Kapital den Sektor längst entdeckt hat, zeigen die von Preqin zusammengetragenen Tickets und Bewertungen (s. auch die vorherige Meldung). Kerstin Weil, Research Editor bei Preqin First Close, verweist unter anderem auf die schon erwähnte Helsing GmbH in München: Das Unternehmen nahm im Juli 1,8 Mrd. USD auf und wurde dabei mit 18 Mrd. USD bewertet. Das eben erwähnte Drohnen-Start-up Stark sammelte im Juni 500 Mio. Euro ein, bei einer Bewertung von 3,2 Mrd. Euro. Quantum Systems kam im selben Monat auf 1,2 Mrd. USD frisches Kapital und rund 8 Mrd. USD Bewertung. Mit von der Partie: u.a. Blackstone, Advent, Goldman Sachs Alternatives und General Catalyst.

Zumindest in der Preqin-Meldung tauchen deutsche Namen unter den Investoren nicht auf. Jedoch verweisen die Analysten immerhin auf den Ende 2025 gestarteten Deutschlandfonds der KfW, der via 30 Mrd. Euro Staatsgeld und Garantien insg. 130 Mrd. Euro Kapital mobilisieren soll, u.a. für Deep Tech und Defense.

Für Pensionsinvestoren bleibt der Befund ambivalent: Das deutsche VC-Ökosystem gewinnt insbesondere bei Deep Tech und Defense an institutionell investierbarer Größenordnung. Gleichzeitig zeigen die Zahlen eine extreme Konzentration auf wenige Unternehmen und Großrunden. Direkte Engagements einzelner EbAV oder Versorgungswerke explizit hier in Deutschland, ggf. auch mit dem Hintergrund einer Stärkung des eigenen industriellen Standortes, dürften damit schon wegen Ticketgrößen, Diversifikation und administrativem Aufwand nur begrenzt machbar sein. Interessanter und v.a. praktikabler bleiben wohl sind wohl entsprechend Fonds-, Dachfonds- oder staatlich flankierte Strukturen.

Mehr zu dem zur heutigen Headline anregenden Kulturstück findet sich hier.

Der beste Kaufmann ist der Krieg. Er macht aus Eisen Gold.

Diskriminierungsfreie Sprache auf LEITERbAV

LEITERbAV bemüht sich um diskriminierungsfreie Sprache (bspw. durch den grundsätzlichen Verzicht auf Anreden wie „Herr“ und „Frau“ auch in Interviews). Dies muss jedoch im Einklang stehen mit der pragmatischen Anforderung der Lesbarkeit als auch der Tradition der althergerbachten Sprache. Gegenwärtig zu beobachtende, oft auf Satzzeichen („Mitarbeiter:innen“) oder Partizipkonstrukionen („Mitarbeitende“) basierende Hilfskonstruktionen, die sämtlich nicht ausgereift erscheinen und dann meist auch nur teilweise durchgehalten werden („Arbeitgeber“), finden entsprechend auf LEITERbAV nicht statt. Grundsätzlich gilt, dass sich durch LEITERbAV alle Geschlechter gleichermaßen angesprochen fühlen sollen und der generische Maskulin aus pragmatischen Gründen genutzt wird, aber als geschlechterübergreifend verstanden werden soll. Auch hier folgt LEITERbAV also seiner übergeordneten Maxime „Form follows Function“, unter der LEITERbAV sein Layout, aber bspw. auch seine Interpunktion oder seinen Schreibstil (insb. „Stakkato“) pflegt. Denn „Form follows Function“ heißt auf Deutsch: "hässlich, aber funktioniert".

Alle Bilder von Kassandra ab Februar 2025 sind KI-generiert.

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