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Private Debt (V) – Mark Branson:

Die Feuertaufe fehlt noch?

Um den kriselnden Themenkomplex Private Debt ist es in den letzten Wochen zumindest schlagzeilenseitig etwas ruhiger geworden. Dass unter der Oberfläche nichts mehr passiert, sollte man aber nicht vorschnell annehmen. Nun hat sich der Chef der deutschen Finanzaufsicht nochmal explizit der Sache angenommen.

Frankfurt, gestern: Zeitgleich zur diesjährigen aba-Jahrestagung hält die BaFin ihre turnusgemäße Pressekonferenz ab – wie üblich im Kern mit einer Rede von Anstaltsleiter Mark Branson. Der Engländer in deutschen Diensten spricht zahlreiche Komplexe an, u.a. neben unerlaubten Geschäften, Immokrediten und der stets drängenden Cyber Security einer davon: Private Debt:

Und hier spricht Branson explizit von „Verwundbarkeiten“, v.a. in Sachen Transparenz und Vernetzung der Private Debt-Fonds, und verweist darauf, dass in den USA einige Fonds in den vergangenen Monaten die Rückzahlungen begrenzt oder ausgesetzt haben, im Q1 2026 wurden insgesamt Rückzahlungswünsche in Höhe von mehreren Mrd. USD nicht bedient.

Mark Branson, BaFin. Foto: BaFin, Matthias Sandmann.

Branson nennt ausdrücklich von der KI-Disruption erfasste Software-Unternehmen sowie Kreditnehmer von vielleicht zweifelhafter Qualität, mit betrugsanfälligen Geschäftsmodellen oder mit Ratings wenig bekannter Agenturen als Problemkandidaten. Und das in einem Markt, der nie über einen ganzen Kreditzyklus getestet wurde, v.a. nicht in Stressphasen, und wo sich das Risikomanagement der Fonds kaum einschätzen lässt sowie Bewertungen langsamer auf Änderungen reagieren können.

Fonds, LPs, Banken, Kreditnehmer …

Weiteres Krisenpotential laut Branson: dass Private Debt-Fonds in der Finanzbranche hochgradig vernetzt sind, auch mit Banken und Versicherern: Banken, auch große europäische Banken, finanzieren PD-LPs und außerdem Unternehmen, die ebenso schon Kredite von PD-Fonds aufnehmen. „Risiken in diesem Markt könnten also ihren Weg in den traditionellen Bankensektor finden. An dieser Schnittstelle müssen wir Aufseher besonders aufmerksam sein“, so der BaFin-Chef, „und Alternatives stellen besondere Anforderungen an das Risikomanagement“.

Größenordnungen, z.B. für die Assekuranz, nennt Branson auch: Durchschnittlich knapp 20% in der SAA in Alternatives, davon ein Viertel in Private Debt, also knapp 5% der SAA. Bei knapp 40 Versicherern liegt der Anteil der Alternatives jedoch über 35%, berichtet Branson, und einige wenige haben mehr als ein Viertel ihrer Anlagen in Private Debt. Bei diesen Versicherern schaue man genau hin, und bei einzelnen Unternehmen habe man auch Verbesserungsbedarf festgestellt, so dass man notwendige Maßnahmen ergreifen lasse.

und die Privatanleger

Kritisch merkte Branson auch an, dass z.B. via ELTIFs verstärkt Privatanleger in PE und PD investieren, möglicherweise ohne sich immer der Illiquidität und Komplexität der Asset-Klasse bewusst zu sein. Hinzu kommen oft hohe Renditeversprechen, gepaart mit hohen Kosten, Branson: „Was für vermögende oder professionelle Investoren geeignet ist, passt nicht immer für Privatkunden.“

Vorarbeit des FSB

Ausdrücklich begrüßte Branson, dass „sich das Financial Stability Board eingehend mit dem Thema beschäftigt, denn wir brauchen ein besseres Verständnis dieser Märkte, mehr Transparenz und eine effektive internationale Zusammenarbeit.“ Unter dem Titel „FSB warns on Private Credit Vulnerabilities“ hatte sich das internationale Gremium, derzeit geführt von BoE-Governor Andrew Bailey und mit den deutschen Mitgliedern BMF, BuBa und BaFin, am 6. Mai das Segment Private Debt ähnlich kritisch gesehen wie nun Branson es gestern kommuniziert hat, Kernergebnisse:

Markt stark gewachsen auf geschätzt ca. 1,5 bis 2,0 Bio. USD Ende 2024, noch nie im längeren Abschwung getestet, von engen Verflechtungen mit Banken, Versicherern, Vermögensverwaltern und Private Equity gekennzeichnet, mit schwacher Transparenz bei Bewertungen, teils niedrigerer Kreditqualität der Schuldner, hohe Verschuldung sowie Konzentrationen in Sektoren wie Technologie, Gesundheit und Dienstleistungen und schließlich Datenlücken. Das FSB fordert Behörden daher auf, Daten zu verbessern, Begriffe international zu vereinheitlichen, Verflechtungen genauer zu analysieren und Aufsichtserfahrungen zu Risikomanagement, Bewertungen und privaten Ratings auszutauschen.

Fazit von ALTERNATIVESINDUSTRIES

Es ist alles andere als das erste Mal, dass die Aufsicht ihre Sorge über PD äußert. Julia Wiens, Chefin der deutschen Versicherungsaufsicht, hatte bspw. Anfang des Jahres bereits gemahnt.

Richtig ist einerseits, dass es Ausfälle bei den Krediten bis dato im größeren Stil offenbar nicht gegeben hat (abseits der beiden Initialfälle First Brands und Tricolor). Das Problem, wie es sich derzeit darstellt, scheint ja im Wesentlichen in der Tat zu sein, dass Privatanleger, auch hochvermögende, die Illiquidität dieser Produkte nicht gewohnt sind. Wenn dem so ist, sollte das Krisenpotenzial an sich überschaubar sein.

Andererseits fragt man sich schon, ob und wie die gewaltigen Summen, die in den letzten Jahren eingesammelt worden sind, alle rentierlich und gleichzeitig sicher investiert werden können – in einer Zeit, in der sich in vielen Sektoren die real- und industriepolitische Lage sichtlich verschärft. Und recht hat die Aufsicht: Eine Feuertaufe hat das Segment bisher noch nicht erfahren.

Diskriminierungsfreie Sprache auf LEITERbAV

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Alle Bilder von Kassandra ab Februar 2025 sind KI-generiert.

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