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Strategische Übernahme im Segment der Secondaries:

Coller goes EQT

In Zeiten schleppender Exits gewinnen Secondaries an Bedeutung, und die schwedische EQT verstärkt sich durch eine Mega-Übernahme hier explizit. Für den Gang unter die nordische Haube gibt es handfeste strategische Gründe.

Jeremy Coller. Foto: Coller Capital.

Secondaries-Pionier Coller Capital, gegr. 1990 und heute immerhin 50 Mrd. USD AuM in elf Fonds schwer, ist unter die nordische Haube gekommen. Wie die Stockholmer EQT gestern bekannt gab, übernimmt man das britische Haus zu 100%.

Gründer, CIO und Managing Partner Jeremy Coller und das Führungsteam von Coller Capital werden das Unternehmen als „Coller EQT“ weiter leiten und dabei die Unabhängigkeit des Investitionsprozesses von Coller beibehalten, wie man vermeldet.

Die Schweden nehmen für den Kauf 3,2 Mrd. USD in Form eigener neuer Aktien in die Hand und bis zu 500 Mio. USD Cash (dies target-abhängig). Die verkaufenden Aktionäre von Coller Capital sind v.a. der Gründer, außerdem weitere Mitglieder des Coller-Managements sowie einige institutionelle Minderheitsgesellschafter, darunter State Street. Damit wird State Street Aktionär von EQT. Der Abschluss der Transaktion wird für das dritte Quartal 2026 erwartet.

Handfeste strategische Hintergründe

EQT und Coller erwarten, dass der Secondaries-Markt sich bis 2030 voraussichtlich mehr als verdoppeln wird, geprägt von breiterer Nachfrage nach strategischen Liquiditätsinstrumenten, längerfristigen Eigentumsmodellen und kontinuierlicher Produktinnovation. Allein 2025 sieht man diesen Markt mit einem Transaktionsvolumen von 226 Mrd. USD um 41% gewachsen.

Außerdem gehen die beiden Partner davon aus, dass die LPs bestrebt sind, ihre Beziehungen zu einer kleineren Anzahl an Akteuren zu vertiefen. Dem will man mit mehr Reichweite, einer diversifizierten Plattform an Anlagestrategien über verschiedene Anlageklassen hinweg und so mit integrierten Lösungen und Kundenservices über Konjunkturzyklen hinweg genügen: „Durch die Transaktion entsteht eine globale EQT-Plattform für Private Equity, Infrastruktur, Immobilien und Sekundärmärkte mit Niederlassungen in wichtigen globalen Märkten“, teilen die Schweden mit. Und bei all dem will man offenbar ausreichend Kampfgewicht mitbringen.

Für EQT auch interessant: Collers Aufstellung mit vier Evergreen-Produkten (Gesamt-NAV 4,1 Mrd. USD) und der bestehenden strategischen Partnerschaft mit State Street im Bereich Private Wealth. Übrigens ist Coller auch in dem aufstrebenden Segment der PD-Secondaries aktiv. Erst im Juli hatte man hier das Closing seines zweiten Vehikels mit satten 6,8 Mrd. USD vermelden können.

Per Franzén, EQT.

Per Franzén, CEO und Managing Partner, kommentiert den Zukauf: „Der Einstieg in den Sekundärmarkt mit Coller ist ein natürlicher und wichtiger Schritt in der strategischen Entwicklung von EQT. Sekundärmärkte sind für Kunden zu einem immer wichtigeren Instrument für das Liquiditätsmanagement und den Aufbau von Portfolios sowie für die langfristige Beteiligung an hochwertigen Vermögenswerten geworden.“ Franzén gibt sich überzeugt, dass man das Geschäftsvolumen von Coller in weniger als vier Jahren verdoppeln könne.

Fazit von ALTERNATIVESINDUSTRIES

Die Argumente, die EQT – sonst z.B. in der Infrastruktur mit echten Dickschiffen erfolgreich unterwegs und zumindest gegenwärtig recht exit-stark – für die Akquisition anführt, sind strategisch alle nachvollziehbar. Das betrifft den Zugang zu Private Wealth, den absehbaren Drang der LPs zu größeren, gut aufgestellten GPs (wie hier erst jüngst dargelegt) und zuvorderst natürlich die Attraktivität und die Perspektive des Segmentes der Secondaries.

Eben dieser vielversprechende Ausblick des Secondaries-Segmentes beruht maßgeblich auf einem ganz bestimmten Phänomen: dem der schleppenden Exits in den Primaries und die diesbezügliche Rückwirkung auf praktisch alle Aspekte der Private Markets. Der altbekannte Dreiklang muss vor dieser Leserschaft nicht genauer erläutert werden, aber er lautet: weniger Exits = weniger Distributions und Liquidität = mehr Secondaries. Und eben diesen Dreiklang kennt man auch in Stockholm nur zu gut.

Diskriminierungsfreie Sprache auf LEITERbAV

LEITERbAV bemüht sich um diskriminierungsfreie Sprache (bspw. durch den grundsätzlichen Verzicht auf Anreden wie „Herr“ und „Frau“ auch in Interviews). Dies muss jedoch im Einklang stehen mit der pragmatischen Anforderung der Lesbarkeit als auch der Tradition der althergerbachten Sprache. Gegenwärtig zu beobachtende, oft auf Satzzeichen („Mitarbeiter:innen“) oder Partizipkonstrukionen („Mitarbeitende“) basierende Hilfskonstruktionen, die sämtlich nicht ausgereift erscheinen und dann meist auch nur teilweise durchgehalten werden („Arbeitgeber“), finden entsprechend auf LEITERbAV nicht statt. Grundsätzlich gilt, dass sich durch LEITERbAV alle Geschlechter gleichermaßen angesprochen fühlen sollen und der generische Maskulin aus pragmatischen Gründen genutzt wird, aber als geschlechterübergreifend verstanden werden soll. Auch hier folgt LEITERbAV also seiner übergeordneten Maxime „Form follows Function“, unter der LEITERbAV sein Layout, aber bspw. auch seine Interpunktion oder seinen Schreibstil (insb. „Stakkato“) pflegt. Denn „Form follows Function“ heißt auf Deutsch: "hässlich, aber funktioniert".

Alle Bilder von Kassandra ab Februar 2025 sind KI-generiert.

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