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Tickernatives (XVII):

Evergreen-Ernüchterung

In dieser Rubrik fasst ALTERNATIVESINDUSTRIES (un-)regelmäßig nur einige kurze Meldungen, namentlich auch von der Produktseite, aus dem globalen, schier unüberschaubaren Ozean der Private Markets mit einem groben Deutschland- und Europa-Filter tickerartig zusammen und ordnet sie ein. Heute: PD-Unruhe hält an. Infra Debt läuft weiter. Ernüchterung bei Retail. Wenn das Closing in der Headline sich beim Lesen des Textes als Conti entpuppt – und daneben ein Evergreen entsteht.

Gen II (3. März): „5th CAMMI Survey: Core Alternative Managers‘ Mood Index.“

Die vier Kernergebnisse einer turnusgemäßen Studie des US Alternatives Funds-Administrators Gen II (1,5 Bio. USD AuA):

  • Technologie könnte die größte interne Herausforderung für Fondsmanager werden.

  • Fundraising nimmt zu, wird aber immer schwieriger: Zyklen länger, erste Closings härter, Kapital konzentriert auf weniger Anlageklassen.

  • Due Diligence: LPs fragen nicht mehr nur, was die Manager liefern, sondern wie sie Unternehmen führen.

  • Politische Unsicherheit und Rezessionsangst die dominierenden externen Bedrohungen.

Übrigens vermeldet PitchBook unter Verweis auf eine Gen II-Umfrage darauf, dass etwa ein Drittel der europäischen GPs planen, sich auf dem Evergreen Retail-Vertrieb zurückzuziehen. Grund: Die Sache könnte in der Umsetzung – große, vielfältige Anlegerbasis – komplexer oder ressourcenintensiver sein als erwartet.

Evergreen structures can be powerful, but only when the operational Foundations are strong enough to handle the additional Oversight and Reporting they demand. The Firms that get this right will be well-placed to tap into a growing Pool of Retail Capital in a sustainable Way,” wird Gen II-Manager Michael Johnson zitiert. Und das, obwohl Evergreens – s. hier Zahlen von Preqin – geboomt haben: 2025 wurden 123 Vehikel aufgelegt, im Januar und Februar 2026 bereits 30. Nun also offenbar Ernüchterung bei den Evergreens, und dies passt zur nächsten Meldung:

Reuters (6. März): „BlackRock fund limits withdrawals as redemptions rattle private credit.“

Die Unruhe auf dem amerikanischen PD-Markt – auch hier schon mehrteilig ausführlich diskutiert – hält weiter an. In Kürze erneut mehr dazu auf ALTERNATIVESINDUSTRIES.

Das alles heißt aber nicht, als gäbe es nun keine Fundraisings und Closings im Retail-Sektor mehr, im Gegenteil:

Meridiam (17. Februar): „Meridiam announces the Closing of its €2.2 Billion Europe Core Fund and launches its first retail dedicated Fund.“

Die Franzosen konnten ihren Meridiam Infrastructure Europe Core Fund bei 2,2 Mrd. Euro closen. Klingt erstmal gut. Liest man jedoch die ganze Pressemitteilung, stellt man fest, dass es sich offenbar um einen Conti handelt: „The vehicle brings together a portfolio of 22 high quality infrastructure assets, held by its historical flagship funds across 10 European countries including Germany, Italy, Spain, Finland a strong footprint in France, and some countries of operations of the EBRD.“

Ob es sich bei Contis um Kronjuwelen oder Ladenhüter handelt, ist eine alte Diskussion und von außen meistens nicht ohne weiteres zu beurteilen. In Zeiten schleppender Exits kann man aber fragen, ob die Auflage eines Contis ein Anzeichen dafür ist, dass der betreffende GP gegen den Trend über außerordentliche Exit-Qualitäten verfügt. Allerdings gibt es in der Infrastruktur in der Tat oft gute Gründe, die Duration guter Assets via Conti zu verlängern. Gleichwohl ist es auffallend, dass in dem gesamten Text der Franzosen das Wort Continuation kein einziges Mal auftaucht, von der Headline ganz zu schweigen. Freilich betont man die Vorteile: Diese Initiative steht voll und ganz im Einklang mit der bewährten Praxis von Meridiam, seinen Anlegern, die sich an 25-jährigen Strukturen beteiligen, regelmäßig Liquiditätsfenster anzubieten. Das neue Vehikel bietet eine doppelte Chance: Bestehenden Anlegern wird die Wahl zwischen attraktiven Liquiditätsbedingungen und einer fortgesetzten Beteiligung an der langfristigen Wertschöpfung des Portfolios geboten, während neue Anleger sofortigen Zugang zu einem ausgereiften, diversifizierten und widerstandsfähigen Portfolio mit stabilen und vorhersehbaren Renditen erhalten.“ Jedenfalls stieß der Fonds bei globalen Institutionellen auf starke Nachfrage, wobei fast 70% der Zusagen von neuen LPs stammten, so die Mitteilung.

Nun zu dem Aspekt Retail: Denn in der gleichen Mitteilung vermelden die Franzosen, dass sie außerdem – und ganz entgegen der o.a. Gen II.-Erkenntnisse – mit ihrer Meridiam Global Infrastructure Strategies ihren ersten vollständig auf Privatanleger ausgerichteten Evergreen-Dachfonds aufgelegt haben. Der Kern dieses „diversifizierten, operativen und renditestarken Infrastrukturportfolios“ soll aus Anlageklassen des eingangs erwähnten Meridiam Infrastructure Europe Core Fund bestehen. „Durch die Ausrichtung der Strategie auf dieses ausgereifte, hochwertige institutionelle Portfolio ermöglicht Meridiam Privatanlegern, gemeinsam mit führenden globalen institutionellen Anlegern zu investieren und so Zugang zu Vermögenswerten zu erhalten, die normalerweise nur großen professionellen Anlegern offenstehen“, schreiben die Franzosen. Halten wir fest: Meridiam vermeldet das Closing eines Infra-Fonds, der ein Conti ist, und stellt einen gleich ausgerichteten Retail-Evergreen daneben. Bleibt abzuwarten, ob dem Conti beizeiten Exits gelingen – vielleicht ja, weil der eigene Retail-Dachfonds sie ihm abnimmt?

CIP (10. März): Copenhagen Infrastructure Partners raises EUR 1.3 bn for the 2nd Vintage of its Flagship Credit Strategy at first Close.“

Bei Infra läuft offenbar das Raising auch bei Debt problemlos. Jedenfalls hat Copenhagen Infrastructure Partners beim ersten Closing 1,3 Mrd. Euro für seinen CI Green Credit Fund II(GCF II) einsammeln können; Gesamtziel 2 Mrd. Euro, Fokus auf OECD-EE. Darin enthalten sind Zusagen für den geschlossenen Fonds, das zugehörige Evergreen-Vehikel sowie diskretionäre Co-Investments.

Die Commitments stammen wie üblich u.a. von Staatsfonds, Versicherern und Pensionsfonds. Skin in the Game: Auch CIP hat sich in erheblichem Umfang an GCF II beteiligt und „damit seine Überzeugung von der Strategie unter Beweis gestellt“.

Stand heute vermeldet CIP, gegr. 2012, 37 Mrd. Euro AuM mit über 200 LPs.

Apropos Infra Debt: Passend zu dem CIP-Closing tut die Meag kund, ihr Infra-Debt-Portfolio in den kommenden fünf bis sechs Jahren von rund zehn auf 20 Mrd. Euro zu verdoppeln, wie das Private Banking Magazin unter Verweis auf Bloomberg vermeldet.

Diskriminierungsfreie Sprache auf LEITERbAV

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Alle Bilder von Kassandra ab Februar 2025 sind KI-generiert.

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